Konjunkturbericht Frühjahr 2018

Hat der Wirtschaftsboom seinen Zenit erreicht?

In den vergangenen beiden Jahren hat die regionale Wirtschaft immer optimistischer auf die laufenden Geschäfte geblickt und ist dabei von Rekord zu Rekord geeilt. Diese kontinuierliche Aufwärtsbewegung wurde nun zumindest vorerst gestoppt. In der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Aschaffenburg wird die Geschäftslage zwar weiterhin auf Rekordniveau bewertet, allerdings gab es gegenüber dem Jahresbeginn keine weiteren Zuwächse mehr, die Lageeinschätzung bewegt sich seitwärts. Demnach bewerten derzeit 56 Prozent der regionalen Unternehmen die Geschäftslage mit gut, 36 Prozent sind zufrieden und 8 Prozent unzufrieden.

Die Auftragsbücher der Unternehmen sind im Moment sehr gut gefüllt. In der Industrie haben sich die Auftragseingänge aus dem Ausland aber nicht mehr so stark entwickelt, wie in den vorherigen Monaten. Die Debatte um amerikanische Strafzölle verunsichert die exportorientierten Unternehmen. Inzwischen sieht annähernd die Hälfte der Industriebetriebe den zunehmenden Protektionismus mit Sorge.

Branchenübergreifend bleibt der Fachkräftemangel unangefochten der größte Sorgentreiber. Eine Mehrheit der Befragten sieht aber auch in potenziellen Diesel-Fahrverboten oder den künftig verschärften Datenschutzauflagen Unsicherheiten für die eigene Geschäftstätigkeit.

Die Erwartungen für die kommenden Monate werden etwas zurückgeschraubt. Es wird allerdings nicht mit einem Abschwung, sondern mit einer stabilen Entwicklung auf dem aktuellen Niveau gerechnet. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen sind in Summe auch weiterhin expansiv ausgerichtet.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der sich aus der aktuellen Lageeinschätzung und den Erwartungen für die kommenden Monate zusammensetzt, sinkt von zuletzt 134,8 auf aktuell 132,9 Punkte. An der Umfrage haben sich 254 Unternehmen unterschiedlichster Wirtschaftszweige und Größenordnungen aus der Region Bayerischer Untermain beteiligt.
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„Durch das anhaltende gute Investitionsklima sind unsere aktuelle Auslastung und auch die mittelfristigen Erwartungen unserer Kunden auf sehr hohem Niveau. Probleme macht unseren Kunden der Rohstoff Beschaffungsmarkt. Die hierdurch verursachten Verzögerungen erhöhen bei uns als Endbearbeiter die ohnehin angespannte Terminsituation.“
IHK-Vizepräsident Jörg Reinmuth, Geschäftsführer, Reinmuth Galvanik GmbH, Bürgstadt
 

Die Wirtschaftszweige im Detail:

Industrie

In der Industrie kühlt sich das Geschäftsklima auf hohem Niveau etwas ab, sowohl die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungen werden nach unten korrigiert. Die laufenden Geschäfte werden derzeit von 51 Prozent der Befragten mit gut bewertet, weitere 40 Prozent sind zufrieden und 9 Prozent unzufrieden. Beim Auslandsgeschäft zeigen sich gewisse Sättigungseffekte. Der Streit um US-Zölle sorgt für Verunsicherung. Inzwischen sieht annähernd die Hälfte der regionalen Industrieunternehmen im zunehmenden Protektionismus ein Risiko für das eigene Unternehmen, zu Beginn des Jahres war dies nur bei jedem dritten Befragten der Fall. Ungeachtet dessen sind die Unternehmen bislang sehr gut ausgelastet. Für die kommenden Monate werden zwar vorerst keine größeren Wachstumssprünge erwartet, trotz der Handelsrisiken rechnen die Betriebe aber weiterhin damit, dass die Auftragseingänge stabil bleiben. Die Einstellungsbereitschaft geht etwas zurück, bleibt allerdings weiterhin expansiv ausgerichtet.

Bau

Das Baugewerbe korrigiert die Bewertung der aktuellen Lage nach dem saisonbedingten leichten Rückgang vom Jahresbeginn wieder kräftig nach oben und knüpft an vorherige Rekordwerte an. Demnach waren 60 Prozent der Unternehmen in den vergangenen Monaten voll ausgelastet. Ein Viertel der Befragten berichtet, dass das Auftragsvolumen abermals angestiegen ist, ebenso viele planen künftig mit höheren Verkaufspreisen. Die Investitionsbudgets bleiben für die kommenden Monate konstant, gleiches gilt für die Beschäftigtenzahlen. Dabei würden die Unternehmen zwar gerne zusätzliches Personal einstellen, sehen sich aber außer Stande geeignetes Personal zu finden. Der Fachkräftemangel zeigt sich im Branchenvergleich unverändert am stärksten im Baugewerbe, 86 Prozent der Befragten sehen darin ein Risiko. Für die kommenden Monate wird mit einer unverändert guten Geschäftslage gerechnet.
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„Insgesamt sehe ich die gute konjunkturelle Lage in der Region als Chance und darin auch Wachstumspotenzial. Durch die Weiterentwicklung von der reinen Werbeagentur zur Agentur mit eigener Produktion in den Bereichen Digitaldruck, Großformatdruck und Werbetechnik, verzeichnen wir in diesem Jahr gute Zuwächse und tun alles, um das Potenzial auszuschöpfen."
Heiko Michelfelder, Geschäftsführer, AKTIONSfelder e.K., Mainaschaff 

Handel

Der Handel beurteilt die laufenden Geschäfte etwas zurückhaltender als zuletzt. Während 49 Prozent von einer guten Lage sprechen, sind 37 Prozent zufrieden und 14 Prozent sehen sich mit einer schlechten Geschäftslage konfrontiert. Beim genaueren Blick fällt die Lage etwas differenzierter aus. Angesichts der herausragenden Arbeitsmarktsituation, der anhaltenden Niedrigzinsphase und einer moderaten Preisentwicklung bleibt die Konsumlaune der Verbraucher weiterhin auf hohem Niveau. Davon profitiert wiederum der Einzelhandel, hier hat sich der Blick auf die laufenden Geschäfte zuletzt verbessert. Eine spürbare Eintrübung der Lagebewertung gab es hingegen im Großhandel und in der Handelsvermittlung. Bei den Erwartungen an künftige Geschäfte finden sich im Lager der Großhändler indes mehr Optimisten als bei den Einzelhändlern. Insgesamt steigen die Erwartungen aber auf beiden Seiten an, 34 Prozent der Händler rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, dem stehen 11 Prozent gegenüber, die eine Verschlechterung erwarten. Die Investitionsneigung trübt sich derzeit etwas ein und der Anteil der Händler, die Preiserhöhungen durchsetzen wollen, geht etwas zurück. Im Saldo wird künftig mit weitgehend konstanten Beschäftigtenzahlen gerechnet.

Dienstleistungen

Im Dienstleistungssektor kann sich das hervorragende Stimmungsbild abermals behaupten. Zwar fällt das Umsatzplus nicht mehr so stark aus wie zuletzt, die aktuelle Geschäftslage wird ungeachtet dessen aber sogar noch etwas besser beurteilt als zum Jahresbeginn. Im Augenblick benoten 70 Prozent die laufenden Geschäfte mit gut, weitere 27 Prozent mit befriedigend und nur 3 Prozent mit schlecht. Die Auslastung der Unternehmen bleibt folglich auch weiterhin auf sehr hohem Niveau. Dies führt aber nicht dazu, dass nun an der Preisschraube gedreht wird, drei Viertel der Befragten wollen ihre Preise stabil halten. Die Investitionsneigung bleibt unverändert. Der Anteil der Dienstleister, die vorwiegend in Kapazitätserweiterungen investieren wollen hat zugenommen. Im Gegenzug wollen weniger Betriebe als zuletzt in die Weiterentwicklung der eigenen Produkte investieren. Der Ausblick auf die kommenden Monate gibt etwas nach, bleibt aber positiv. Während 25 Prozent einer noch besseren Geschäftslage entgegensehen, erwarten 71 Prozent keine Veränderung und 4 Prozent eine Verschlechterung. Die Personalpläne sind weiterhin expansiv ausgerichtet.
KB_18_02_geschnitten Alexandra Schleunung
„Dank der steigenden Übernachtungs- und Umsatzzahlen der letzten Jahre schauen wir recht positiv in die Zukunft. Gerade an den Wochenenden verzeichnen wir eine stärkere Nachfrage aus einem Umkreis von etwa 200km, da viele Gäste lange Autofahrten scheuen und daher Ziele in der Umgebung bevorzugen, um sich zu erholen. Aus diesem Grund werden wir in diesem Jahr stark in die Erweiterung unseres Angebotes investieren und unseren Wellnessbereich komplett sanieren und deutlich vergrößern sowie eine Weinbar eröffnen.“
Alexandra Schleunung, Geschäftsführerin, Hotel + Restaurant Zeller, Kahl am Main 

Tourismus

Bei den Tourismusbetrieben wird die aktuelle Geschäftslage von 39 Prozent der Befragten mit gut bewertet, 50 Prozent sind zufrieden und 11 Prozent unzufrieden. Damit bleibt das Stimmungsbild verglichen mit dem Jahresbeginn praktisch unverändert. Dies spiegelt sich auch bei den Umsätzen wider. Die Anzahl der Betriebe, die von gestiegen Umsätzen berichten, hält sich mit denen, die Umsatzrückgänge hinnehmen mussten, die Waage. Beim Blick nach vorne ruhen die Hoffnungen auf einem guten Start in die bevorstehende Sommersaison. Hier erwarten 40 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass der Umsatz mit Urlaubsreisenden demnächst zunehmen wird. Von den Geschäftsreisenden werden vorerst keine größeren Wachstumsimpulse mehr erwartet. Im Hotel- und Gaststättengewerbe will die Hälfte der Betriebe die Investitionsausgaben steigern, zu den Hauptmotiven zählen neben den üblichen Ersatzinvestitionen gleichermaßen Kapazitätserweiterungen. Jeder vierte Betrieb will auch zusätzliches Personal einstellen, dies dürfte sich aber schwierig gestalten, wird doch der Fachkräftemangel nur im Baugewerbe noch gravierender gesehen.
 
Fotos: Reinmuth Galvanik GmbH, AKTIONSfelder e.K., Hotel + Restaurant Zeller
Grafiken: IHK Aschaffenburg